Ein Arbeitgeber darf ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen, wenn die Bewertung wahrheitsgemäß und sachlich begründet ist. Beschäftigte können jedoch eine Korrektur verlangen, falls das Zeugnis formale oder inhaltliche Fehler enthält oder nicht wohlwollend formuliert ist.
Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann die berufliche Zukunft erheblich beeinflussen. In Deutschland darf ein Arbeitgeber grundsätzlich eine negative Bewertung ausstellen, sofern diese den Tatsachen entspricht und sachlich begründet ist. Dabei schützt das Gesetz zugleich das berufliche Fortkommen der Arbeitnehmer durch das sogenannte Wohlwollensgebot. Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, unter welchen Voraussetzungen ein schlechtes Arbeitszeugnis zulässig ist, welche Rechte Angestellte haben und wie sie eine Korrektur durchsetzen.
- Ein schlechtes Zeugnis muss immer sachlich begründet sein.
- Das Arbeitszeugnis muss zugleich wohlwollend und wahrheitsgemäß formuliert werden.
- Arbeitnehmer dürfen Korrektur verlangen und haben klare Klagemöglichkeiten.
Darf der Arbeitgeber ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen?
Arbeitgeber in Deutschland dürfen dem Gesetz nach ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen, wenn die Arbeitsleistung tatsächlich unterdurchschnittlich oder das Verhalten mangelhaft war. Die negative Bewertung muss dabei sachlich und wahrheitsgemäß begründet werden, reine Meinungsäußerungen oder unbelegte Abwertungen sind unzulässig. Die Rechtsprechung verlangt, dass das Arbeitszeugnis einerseits die Wahrheit sagt, andererseits aber das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers nicht ungerechtfertigt erschwert[1].
Wahrheit und Wohlwollen: Wo liegen die Grenzen?
Der Arbeitgeber steht vor der Aufgabe, in seinem Zeugnis das Gleichgewicht zwischen Wahrheitspflicht und Wohlwollensgebot zu wahren. Nach deutschem Recht – insbesondere § 109 Gewerbeordnung (GewO) – muss das Zeugnis klar, verständlich und wohlwollend formuliert sein. Versteckte negative Hinweise, ironische Bemerkungen oder verschlüsselte Codes sind untersagt. Gleichzeitig darf ein Arbeitszeugnis keine unwahren positiven Beurteilungen enthalten, sondern muss den tatsächlichen Leistungen entsprechen.
Wer muss eine bessere oder schlechtere Bewertung belegen?
Im Streitfall trägt der Arbeitnehmer die Beweislast dafür, dass seine Leistungen oder sein Verhalten besser waren als im Zeugnis dargestellt. Verlangt ein Beschäftigter eine bessere Bewertung, etwa die Note „gut“ oder „sehr gut“ statt „befriedigend“, muss er dies mit Fakten und Beispielen aus seiner Tätigkeit belegen. Der Arbeitgeber muss begründen, warum er von durchschnittlichen Leistungen nach unten abgewichen ist. Ist die Bewertung grob unrichtig oder enthält das Zeugnis schwerwiegende Abweichungen, steht dem Arbeitnehmer der Weg zum Arbeitsgericht offen[4].
Schlechtes Zeugnis prüfen: typische Fehler und versteckte Formulierungen
Viele Arbeitszeugnisse enthalten Fehler oder Zweideutigkeiten, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Besonders tückisch sind subtil negativ codierte Formulierungen wie „bemühte sich stets“ oder das Fehlen jeglicher positiver Bewertung, was in der Zeugnissprache als unterdurchschnittlich gilt. Auch formale Fehler wie falsche Daten, fehlerhafte Angaben zur Betriebszugehörigkeit oder Unterschriften von Unbefugten können ein Zeugnis anfechtbar machen. Beschäftigte sollten daher ihr Arbeitszeugnis nach dem Erhalt gründlich daraufhin prüfen[1].
Typische Probleme
Ein wesentliches Problem liegt in den subtilen, offenbar wohlwollenden Formulierungen, die tatsächlich negativ gemeint sind. Diese sogenannte „Zeugnissprache“ macht es für Arbeitnehmer oft schwierig, den wahren Inhalt zu erkennen und gerichtsfest anzugreifen. Hinzu kommt die Beweisschwierigkeit: Beschäftigte müssen im Streitfall detailliert nachweisen, dass ihre Leistung besser war, als das Zeugnis suggeriert[1][4].
Arbeitszeugnis korrigieren lassen: Schritt für Schritt
Wer ein fehlerhaftes oder zu negatives Arbeitszeugnis erhalten hat, sollte zuerst den Arbeitgeber schriftlich um Korrektur bitten. Es empfiehlt sich, konkrete Passagen zu benennen, die beanstandet werden, und idealerweise eigene Formulierungsvorschläge einzureichen. Wird der Korrektur nicht entsprochen, besteht die Möglichkeit, sich rechtlich beraten zu lassen oder eine Klage vor dem Arbeitsgericht zu erheben. Vielfach lassen sich Streitigkeiten bereits außergerichtlich durch Verhandlung oder Schlichtung beilegen.
Welche Fristen gelten für eine Zeugnisberichtigung?
Für die Korrektur eines Arbeitszeugnisses gibt es keine gesetzlich festgelegte Frist, aber es ist ratsam, zeitnah nach Erhalt zu handeln. Die Gerichte erkennen je nach Einzelfall unterschiedliche Orientierungen an – etwa sechs bis zehn Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Wer sein Recht auf Berichtigung nicht bald genug geltend macht, riskiert, dass es als verwirkt angesehen wird. Im Zweifel sollte die eigene Situation individuell geprüft werden.
Was tun, wenn der Arbeitgeber die Korrektur ablehnt?
Reagiert der Arbeitgeber nicht, verweigert die Korrektur oder bleibt uneinsichtig, können Arbeitnehmer rechtliche Schritte einleiten. Die Beratung durch eine auf Arbeitsrecht spezialisierte Kanzlei sowie die Einreichung einer Klage beim Arbeitsgericht sind Möglichkeiten, die Bewertung anzugreifen. Hierbei muss der Arbeitnehmer konkrete Passagen und die gewünschten Korrekturen genau benennen und begründen[4].
Aktuelle Entwicklungen
Die Anforderungen an Formulierung und Bewertung von Arbeitszeugnissen werden durch laufende Urteile und die aktuelle Rechtsprechung regelmäßig geschärft. Gerichtliche Entscheidungen – auch des Bundesarbeitsgerichts – verpflichten Unternehmen zunehmend zu hoher Sorgfalt und Klarheit bei Zeugnissen. Dies stärkt die Position der Arbeitnehmer, sich gegen falsche oder abwertende Zeugnisse zu wehren.
Abschluss: Rechtlich abgesichert zum fairen Zeugnis
Ein schlechtes Arbeitszeugnis ist rechtlich zulässig, wenn es sachlich und wahrheitsgemäß formuliert ist. Arbeitnehmer müssen sich jedoch nicht mit ungerechtfertigten Abwertungen oder Fehlern abfinden. Durch eine sorgfältige Prüfung, formale Korrekturverlangen und notfalls Klage können sie ihr Recht auf ein faires Zeugnis durchsetzen. Künftige Entwicklungen in Gesetzgebung und Rechtsprechung sind konsequent zu verfolgen, um stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben.
Quellen
[1] Arbeitszeugnis: Was bedeutet ein schlechtes Zeugnis und was kann man tun? (arbeitsrechte.de, 2025-09-18)
[4] Schlechtes Arbeitszeugnis – Was tun? (arbeitsabc.de)










